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Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

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> 60 Jahre Vertreibung

60 Jahre nach der Vertreibung aus der Heimat

Arbeit für das Glatzer Land und seine Menschen

Im Februar 1946 begann die völkerrechtswidrige Vertreibung der Deutschen aus der Grafschaft Glatz. In den ersten Monaten kamen die Transporte in die damalige britische Besatzungszone, im Sommer 1946 teils in die britische und teils in die russische Besatzungszone und im Herbst 1946 fast ausschließlich in die russische Zone. Später gab es zunächst noch einzelne Vertreibungen und 1956/57 verließen dann die Grafschafter die Heimat, die bis dahin als Arbeitskräfte im Glatzer Land benötigt wurden. Von den Grafschafter Menschen dürften etwa 30 bis 35 % zunächst nach Mitteldeutschland gekommen sein, von denen nach und nach ein wesentlicher Teil in die westlichen und südlichen Zonen bzw. Bundesländer geflohen ist.

Zahlreiche Grafschafter haben in der Fremde Aktivitäten für die Heimat und ihre Menschen entwickelt oder an diesen Tätigkeiten mitgearbeitet.

Im kirchlichen Bereich sind insbesondere folgende Aktivitäten zu nennen:

Die kirchliche Arbeit stand wesentlich unter der Obhut des jeweiligen Großdechanten der Grafschaft Glatz. Prälat Dr. Franz Monse hatte dieses Amt vom 28.02.1938 bis zu seinem Tode am 24.02.1962 inne und damit auch während unserer Vertreibung aus der Heimat. Sein Nachfolger war vom 30.11.1962 bis 1977 Prälat Leo Christoph. Ihm folgte vom 15.08.1977 bis zum 26.03.1983 Prälat Paul Sommer. Seit dem 29.09.1983 ist Prälat Franz Jung mit dem Titel Großdechant als Visitator für Priester und Gläubige aus der Grafschaft Glatz verantwortlich für die Seelsorge an den Grafschafter Menschen.

Am 23.11.1985 bildete Großdechant Franz Jung - als Ergänzung zu dem schon vorhandenen Konsult der Grafschafter Priester und der Hilfe weiterer Grafschafter Priester und Diakone in der Seelsorge an den Grafschafter Menschen - einen Pastoralrat der Grafschaft Glatz. Dieses Gremium berät den Großdechanten und unterstützt ihn bei seiner Arbeit, insbesondere in organisatorischen Dingen. Ebenso ist das vom Großdechanten im Sommer 1984 mit einer Teilzeitkraft eingerichtete Glatzer Büro in Münster für die zahlreichen Tätigkeiten des Großdechanten nicht mehr wegzudenken.

Am Sonntag, dem 21.07.1946, fand die 1. Grafschafter Wallfahrt nach der Vertreibung nach Listrup, Kreis Lingen/Emsland, wo Großdechant und Generalvikar Dr. Monse später eine Bleibe fand, mit etwa 1.500 Pilgern statt. Gleichzeitig wurde dort ein 1. Jugendtreffen mit ca. 150 Teilnehmern, die hauptsächlich aus der Pfarrei Glatz stammten, durchgeführt.

Im Herbst 1946 versammelten sich erstmals Grafschafter in Werl (Westfalen) zu einer Wallfahrt, die auch heute noch vom St. Hedwigswerk als Wallfahrt für Grafschafter und Sudetendeutsche, wenn auch inzwischen in kleinerer Teilnehmerzahl, getragen wird. Ebenfalls noch im Herbst 1946 lud Prälat Dr. Monse zu einer Grafschafter Wallfahrt nach Rulle bei Osnabrück und kurze Zeit später zur 1. Priesterkonferenz im Westen nach Rulle ein.

Vom 29.11. bis 02.12.1946 in Kloster Oesede, Kreis Osnabrück, und vom 23. bis 28.07.1947 in Listrup gab es weitere Jugendtreffen, in Listrup mit etwa 300 Teilnehmern; am 27.07.1947 in Verbindung mit dem 40-jährigen Priesterjubiläum von Prälat Dr. Monse.

Der Wallfahrtsort Telgte bei Münster (Westfalen) war am 25.09.1947 Ziel der 1. Wallfahrt zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter. Diese Wallfahrt, die 1969 von mittwochs auf sonnabends verlegt wurde, entwickelte sich zum bedeutendsten religiösen Bekenntnis des Grafschafter Gottesvolkes in der Fremde. In den 50er Jahren kamen jeweils über 10.000 Pilger.

Neben der Sammlung alten Grafschafter Schrifttums ist auch die Herausgabe von zahlreichen Büchern und Schriften im kirchlichen und religiösen Bereich der Grafschaft Glatz und ihrer Menschen durch den Großdechanten zu erwähnen.

Wertvoll ist auch die Verbindung des Großdechanten zu den Grafschaftern, die in der weiten Welt Missionstätigkeit und Entwicklungshilfe leisten und die er mit Spenden des Grafschafter Gottesvolkes unterstützen kann.

Seit Jahrzehnten gratuliert der Großdechant mit Hilfe von Laien Grafschaftern zu höheren und runden Geburtstagen und besonderen Ehejubiläen und festigt damit, ebenso wie durch seine Besuche bei Heimattreffen und anderen Grafschafter Veranstaltungen, die Verbindung zu den Grafschafter Menschen in der Fremde.

Aus Anlass des Beginns der Vertreibung aus der Heimat vor 50 Jahren trafen sich der Pastoralrat und einige kirchliche Gruppen der Grafschaft Glatz am 15.06.1996 zu einem Gedenken in Listrup, wo nach der Vertreibung die 1. Wallfahrt der Grafschafter stattgefunden hatte.

Allen, die an dieser umfangreichen, 60-jährigen Arbeit mitgewirkt oder sie unterstützt haben gilt, ein herzliches „Vergelts Gott“.

Text: Johannes Güttler
im Auftrage des Großdechanten Franz Jung

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