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Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz e.V. (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

Aktuelles und Termine

Heimgang von Hans Taube

Unsere Grafschaft Glatz verliert im Tod von Hans Taube, der am Sonntag, dem 14. Juni 2020 verstorben ist, einen der profiliertesten Männer der Heimat.
Der am 14. 9. 1939 in Ebersdorf Krs. Neurode geborene Landsmann kam nach der Vertreibung 1946 in die Hildesheimer Diaspora. Mit vielen Landsleuten aus der Grafschaft engagierte er sich bald in der katholischen Jugendarbeit und wuchs in die Gemeinde fest hinein. Jahrelang war er Pfarrgemeinderatsvorsitzender und machte mit dem holländischen Pfarrer Derksen aus der Diasporagemeinde ein kirchliches Zentrum für Jung und Alt.
Bald fand er den Weg zum extern Glatzer Gebirgs-Verein in Braunschweig und führte den Verein 14 Jahre lang als Vorsitzender. Unter seiner Leitung stieg die Mitgliederzahl auf 1.000. Höhepunkt seines Wirkens war die Einladung des Grafschafter Nuntius Erzbischof Dr. Erwin Ender aus Berlin zum 125jährigen Bestehen des Glatzer Gebirgsvereins mit dem Festgottesdienst zum Muttertag am 13. 5. 2006 in der St. Aegidienkirche zu Braunschweig. Damit übergab Hans Taube seine Arbeit als Vorsitzender in die jüngeren Hände von Christian Drescher, der ein würdiger Nachfolger wurde.
Hans Taube blieb sich seiner Verantwortung als Christ stets bewußt und so wurde er Mitglied der Ritter vom Hl. Grab in Jerusalem und ihm ist es zu verdanken, daß bei vielen Festlichkeiten und Wallfahrten in Telgte diese Männer und auch Frauen in den weißen Gewändern auftauchten. Viele Grafschafter und Schlesier gehörten zu diesen Rittern, die sich auch um das Kinder-Hospital in Bethlehem mit viel finanzieller Hilfe kümmerten.
Als die Gerhard-Hirschfelder-Stiftung gegründet wurde, hat der Gründer Professor Joachim Pabsch aus Hildesheim (Mittelsteine) in Hans Taube einen umsichtigen Vorsitzenden gefunden. Mit viel Freude und Umsicht leitete Hans Taube bis zu seiner Erkrankung mit dem Lymphdrüsenkrebs die Geschicke der Stiftung.
Wer so aktiv ist, gehörte auch zum Kreis des Pastoralrates des Großdechanten. Mit seinen Ideen aus der Seelsorge der Diaspora gab er uns manche Anregung mit auf den Weg.
Wir haben in den letzten Jahren so viele tüchtige Männer und Frauen durch den Tod verloren, daß ich den Ehepartnern bei dieser Gelegenheit ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ sagen darf, denn wenn sie die Arbeit nicht mitgetragen hätten, wäre manche Grafschafter Arbeit nicht gelungen.
Das gilt auch für Familie Taube. Ehefrau Elisabeth, Tochter und Sohn trugen die Arbeit von Hans mit sowie die vier Enkelkinder in Wendeburg-Bortfeld kannten inzwischen durch viele Besuche die Grafschaft als Heimat ihres Opas. Er konnte die Liebe zur Heimat den Enkelkindern vermitteln. Die Liebe zur Grafschaft hat Hans Taube auch in den Zeiten der Krankheit mit seiner Familie aufrechterhalten.
Ich trauere mit seiner Familie um einen persönlichen Freund, der mir viel gegeben hat als Christ und als einen Mann, dem es immer darum ging, viel Freude zu bereiten.
So bleiben mir zwei Ereignisse in bester Erinnerung. 1997 haben wir in einem festlichen Gottesdienst das Bergmannskreuz und die Gedenktafeln an das Grubenunglück in Hausdorf am 07.07.1930 mit 151 Toten durch den Kohlensäureausbruch erneuert und gesegnet.
Spontan habe ich am Schluß des Gottesdienstes gesagt:
Reichen wir uns als Polen und Deutsche die Hand zum Zeichen der Versöhnung. Wir stehen auf dem Boden, unter denen viele Bergleute des Unglücks von 1930 begraben sind.
Hans Taube sagte mir damals: Das war ein ehrlicher Handschlag als Christ. Diesem Auftrag fühle ich mich verpflichtet. Das hat Hans uns vorgelebt.
Und ein zweites Erlebnis bleibt trotz aller Trauer hinzugefügt:
Hans Taube hatte durch den Grafschafter Boten von dem Silberjubiläum von Schwester Gudula Hilbig erfahren, mit der er in Wendeburg zur Schule ging. Er lud die Jubilarin und die ganze Gemeinde in Bortfeld zu diesem Jubiläum ein, weil er der Jubilarin und vielen Klassenkameraden/innen ein schönes Fest bescheren wollte. Das war immer das Anliegen von Hans.
Am Schluß der Feier versammelten sich alle Gläubigen noch zu einer Dankandacht, und der holländische Pfarrer, der mit unseren Marienliedern aus der Heimat nicht so zurechtkam, sagte zur Erheiterung aller Gäste „Nun singen wir zum Schluß ihr Lieblingslied: Über alle Berge.“ – und meinte natürlich das Lied: Über die Berge schallt!
Ich habe einige Tage vor dem Tod Hans und Elisabeth Taube noch einmal daran erinnern können. Hans hat es mit einem Lächeln wahrgenommen.
Mein alter Pastor, den ich in Duisburg-Walsum 1976 abgelöst habe, pflegte oft zu sagen:
„Man tut, was man kann, und man kann nicht mehr, als man tut!“
Das gilt für unseren Hans Taube in besonderer Weise!
Ihm und seiner Familie gilt der Dank der Grafschafter, und Gott schenke ihm im Kreis vieler Grafschafter den Lohn im Himmel.

Franz Jung, Großdechant

Hans Taube
Foto: Christa Drescher

in: Grafschafter Bote, Nr. 7-8/2020

 

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