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Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

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> Die Grafschaft Glatz

Geschichte – Landschaft – Kultur

Das Glatzer Land ist ein Gebirgskessel im Zuge der Sudeten zwischen Schlesien und Böhmen, etwa 100 km südlich von Breslau.

Karte von Schlesien mit der Grafschaft Glatz
Karte von Schlesien mit der Grafschaft Glatz

981 wird das „castellum Kladsko“ (= Glatz) als eine gegen Polen gerichtete böhmische Grenzburg erwähnt. Das Glatzer Land gehörte als Nebenland zur Krone Böhmen und damit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, woran auch kurzzeitige andere Besitzverhältnisse wie z. B. Verpfändungen nichts änderten. Die Könige von Böhmen waren stets Kurfürsten des Römisch-Deutschen Reiches.

Im 13. Jahrhundert kamen deutsche Siedler im Rahmen der Ostkolonisation unter dem böhmischen König Ottokar II. in das nur von wenigen Slawen bewohnte Land.

In den Hussitenkriegen 1419-1436 wurde das Land stark verwüstet. 1459 wurde das Glatzer Land vom böhmischen König Georg von Podiebrad mit Bestätigung durch Kaiser Friedrich II. zur Grafschaft erhoben.

In der Reformationszeit wurde fast die gesamte Bevölkerung der Grafschaft protestantisch, nach der Gegenreformation (ab 1622), vor allem durch die Jesuiten, wurde sie vor 1700 wieder fast vollständig katholisch.

In den Schlesischen Kriegen 1740-1763 wurden Schlesien und die Grafschaft Glatz Preußen einverleibt.

Nach der Katastrophe des 2. Weltkriegs wurden die Gebiete jenseits von Oder und Neiße auf Beschluss der Siegermächte unter polnische, teilweise unter russische Verwaltung gestellt, die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben.

Auch fast alle der rund 180.000 Grafschafter mussten ihre im Krieg unzerstört gebliebene Heimat 1946 zwangsweise verlassen. Ihr Land und ihr Besitz wurden von Polen aus der Ukraine und Zentralpolen übernommen.

Vor 1945 hat die Grafschaft Glatz nie zu Polen gehört, hatte nie polnische Bevölkerung und sprach nie die polnische Sprache.

Heute gehört das Glatzer Bergland, poln. Ziemia Kłodzka, zur Wojewodschaft Dolny Śląsk (Niederschlesien), kirchlich zur Diözese Schweidnitz (Świdnica).

Das Landschaftsbild der Grafschaft Glatz wird geprägt durch die sie umschließenden Gebirgszüge, deren höchster Gipfel der Gr. Schneeberg (1425 m) ist. Den Talkessel durchfließt die Glatzer Neiße. An ihren Nebenflüssen und Bächen liegen viele langgestreckte Waldhufendörfer, von deutschen Siedlern im Mittelalter gegründet und später erweitert. Dazwischen liegen kleine Städtchen mit ihrem rechteckigen Marktplatz („Ring“) und dem Rathaus. Glatz und vor allem Habelschwerdt haben noch manches vom mittelalterlichen Stadtbild bewahrt.

Kulturell stark geformt wurde die Grafschaft Glatz vor allem durch den lebensfrohen Barockstil böhmisch-österreichischer Prägung, der u.a. von den Jesuiten in der Gegenreformation ins Land gebracht wurde. Viele Kirchen wurden in dieser Zeit im prächtigen neuen Stil erbaut oder umgestaltet und erhielten ihre typische Zwiebelturmhaube. Statuen und Bildsäulen entstanden an Wegen und Plätzen. Auch manche Bürger übernahmen für ihre Häuser die barocken Formen, der Adel für einige Schlösser.

Das Ländchen mit seinen zahlreichen Wallfahrtsorten wurde „Herrgotts- oder Marienländchen“ genannt, was die tiefe Verwurzelung des Volksglaubens zum Ausdruck bringt.

Bedeutende Heilbäder wie Landeck, Altheide, Reinerz und Kudowa zogen viele Kurgäste an, die herrliche waldreiche Gebirgslandschaft entwickelte sich zu einem idealen Wander- und Erholungsgebiet, und die schneereichen Winter luden zum Wintersport ein.

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