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Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

Weihnachtsgruß von Weihbischof Hauke

Himmlische Heere jauchzen dir Ehre – Engel werden – Foto: Reinhard Hauke

Jugendliche werden in einer bolivianischen Schnitzwerkstatt in der alten Tradition der indigenen Bevölkerung und der Jesuitentradition, die es etwa 200 Jahre in Bolivien gab, ausgebildet. Zu den Kunstwerken, die dort hergestellt werden, gehören auch Engeldarstellungen. Bei meinem Besuch dort lagen auf einem Tisch Schnitzereien in verschiedenen Fertigungsstufen. Als Gastgeschenk bekam ich einen fertigen Engel, der jetzt in meinem Wohnzimmer einen Ehrenplatz hat.

Am Weihnachtsfest erinnern wir uns an den Gesang der Engel in Bethlehem, den die Hirten auf den Feldern gehört haben. Die Engel weisen auf den Ort der Geburt Jesu hin und singen das Lob Gottes, das wir im Gottesdienst durch das Gloria und andere Gesänge aufnehmen und mit unseren menschlichen Stimmen den Bewohnern der Welt heute vermitteln. Dabei werden wir trotz aller Anstrengung immer feststellen müssen, dass unser Gotteslob die Qualität des Gesangs der Engel nicht erreichen kann. Unser Gotteslob ist Ausdruck für unsere ganze menschliche Situation: Wir sind im Werden. Wir sind auf dem Weg. Wir sind im Wachstum.

Die drei Engel in der Schnitzwerkstatt von Conception haben mich an das notwendige Wachstum von uns Menschen erinnert. Mancher von uns ist noch in einem Rohzustand, aber man erkennt schon, was daraus werden soll. Mancher hat schon „Farbe“ angenommen oder „Farbe bekannt“. Er hat schon mitgeteilt, was sein Anliegen ist, wenn sein Leben von der Botschaft des Evangeliums geprägt wurde. Manchem fehlen nur noch die Augen, um klar zu sehen, wohin sein Weg geht, oder um auch anderen Menschen den Weg zeigen zu können. Wenn ich mir die Berichte der Heiligen Schrift ansehe, dann sind es ja Zeugnisse von Menschen, die auf dem Weg sind: angefangen von Abraham bis zu den Aposteln. Da gibt es immer wieder die Lichtblicke wie bei Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg Tabor, und da gibt es auch die Angstsituationen und Verleugnungen in der Passionsgeschichte. Bei den Schnitzereien wissen wir in etwa, was noch fehlt. Auch bei uns ahnen wir, wenn wir bei der Beichtvorbereitung unser Glaubensleben anschauen, wo es noch Fehlstellen und Unvollkommenheiten gibt. Wenn uns die Gotteserkenntnis und das Gotteslob wichtig geworden sind, werden wir uns auch um ein gutes Wachstum unserer Darstellung als Boten Gottes sorgen.

Die Weihnachtstage sollen uns helfen, die Freude am Kommen Gottes in die Welt neu und tiefer zu spüren, wie sie im Gesang der Engel ausgedrückt wird. Der Besuch von Weihnachtsgottesdiensten dient dazu, den Ursprung des Festes klar in den Blick zu nehmen. Damit sind wir denen ein Stück voraus, die allein von den Weihnachtstraditionen leben, ohne die Botschaft der Engel zu kennen. Das sehe ich als einen großen Mehrwert an. Diesen Mehrwert sollen natürlich auch alle anderen Menschen kennenlernen, denn es handelt sich ja um eine „Botschaft für die Heiden“, wie es schon im Lobgesang des greisen Simeon heißt: Das Kind – „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“ (Lk 2,32).

Wenn wir in diesen Weihnachtstagen Engeldarstellungen in großer Vielfalt sehen, sollte in uns die Frage lebendig werden: Wie sieht mein Gotteslob aus? Ist es vergleichbar mit dem der Engel? Habe ich Freude am Wachstum in der Liebe zu Gott, zu der uns die Engel locken wollen?

Ich wünsche allen Freude am Gesang der himmlischen Heere und Sehnsucht, einmal mitsingen zu dürfen: in dieser Lebenszeit schon mit viel Mut zur Unvollkommenheit, und in der Ewigkeit mit klarem und hellem Klang.

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge

 

Liebe Landsleute, Schwestern und Brüder,
da der Vertriebenenbischof, Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt, alle Mitglieder der ehemaligen Visitatorenbereiche mit einem Weihnachtsgruß bedacht hat, schließen wir uns als Seelsorger der Heimatvertriebenen aus der Grafschaft Glatz gern diesen Wünschen an und verbleiben mit dem Segen Gottes für das neue Jahr 2019

I h r e
Pfr. Martin Karras, Präses des Heimatwerkes
Grafschaft Glatz e.V.
Franz Jung, Großdechant

 

Weihnachtsbrief des Großdechanten

Foto: Gnadenbild von Maria Schnee (Grafschaft Glatz)
Foto: Gnadenbild von Maria Schnee (Grafschaft Glatz)

WEIHNACHTEN 2018

Heilige Maria, Mutter Gottes,
du hast der Welt
das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn – Gottes Sohn.

Du hast dich ganz
dem Ruf Gottes überantwortet
und bist so zum Quell
der Güte geworden,
die aus ihm strömt.

Zeige uns Jesus.
Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen
und ihn lieben,
damit auch wir selbst
wahrhaft Liebende und
Quelle lebendigen Wassers
werden können
inmitten
einer düsteren Welt.

 
Papst Benedikt XVI.
Schlussgebet der Enzyklika „Gott ist Liebe“

 

Liebe Landsleute aus der Grafschaft Glatz und ihr Verbundene, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte,

dieses Foto von Maria Schnee auf 800 Meter Höhe in unserer Heimat, der Grafschaft Glatz, hat schon lange seinen Platz auf meinem Schreibtisch. Es ist eine Kopie des Gnadenbildes von Mariazell in der Steiermark. Zu diesem Wallfahrtsort pilgerten bis 1750 Landsleute aus der Heimat: 300 km hin und 300 km zurück in sechs Wochen, wahrlich eine Superleistung.

1750 brachte ein Pilger namens Christoph Veit aus Wölfelsdorf die Kopie mit und 1782 entstand die Wallfahrtskapelle auf Maria Schnee. Ich konnte dieses Kirchlein von meinem Elternhaus in Gläsendorf täglich sehen. Da das Gnadenbild stets verkleidet ist, wird in dem Foto die Weihnachtsgeschichte deutlich: Maria schenkt uns Gottessohn. Er hält einen Apfel in der Hand, um an die Ursünde des Menschen im Paradies zu erinnern, nämlich sein zu wollen wie Gott selbst. Und Maria reicht Jesus eine Birne oder Feige als Sinnbild für das Leid, das er trägt, um die Menschen zu erlösen.

Dieses Bild spricht für sich: Fernab von allem Weihnachtsrummel kommt Gottes Sohn in die Welt. Seine Geburt im Stall zu Bethlehem bedeutet die Solidarität mit allen Menschen, die ein gleiches Schicksal erleben: kein Haus, nicht einmal ein Dach über dem Kopf.

1946 wurden 15 Millionen aus den deutschen Ostgebieten widerrechtlich vertrieben und heute sind 65 Millionen unterwegs als Vertriebene, Flüchtlinge, als Menschen unterwegs in der Hoffnung, ein besseres, menschenwürdigeres Leben führen zu können. Solange die Zustände in den Heimatländern sich nicht bessern, wird die Fluchtwelle sich kaum verringern.

Gottes Sohn wird nicht nur zu Weihnachten Mensch, sondern in jeglicher Zuwendung, die Menschen einander schenken.

Ich habe im vergangenen Jahr wieder viele solcher Zuwendungen erfahren, für die ich nur von Herzen danken kann. Danke für die Gratulationen zu meinem Geburts- und Namenstag am 3. Dezember. Nun darf ich schon 82 Jahre leben und davon über 35 Jahre als Visitator emeritus und bleibender Großdechant – welch ein Geschenk!

Viele haben mich durch Gebet, persönlichen Einsatz und mit finanzieller Hilfe für die Grafschafter Arbeit unterstützt. Allen für die so herzlichen Zuwendungen ein kräftiges „Vergelt“s Gott“!

Ihnen, Euch und Dir eine frohmachende Erfahrung zu Weihnachten, dass Gottes Sohn unser Leben in festen Händen hält und uns alle ins Jahr 2019 mit seinem Segen begleiten möge.

Mit herzlichen Grüßen Ihr, Euer und Dein
Franz Jung
Großdechant

 

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