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Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

Ostergruß 2019
von Weihbischof Hauke

Wohnungsbau Gottes

Bild zur Osterpredigt 2019 von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke ©
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen...
Ich komme wieder und werde euch zu mir holen.

(Joh 14, 2a. 3b)
© Foto: Reinhard Hauke

Die Friedhofskultur unterscheidet sich in den verschiedenen Gegenden der Erde. Bei Besuchen in fremden Ländern schaue ich mir gern die Friedhöfe an, um etwas zu erahnen von der Kultur des Lebens und des Todes. In den USA sah ich einen Friedhof mit großen Grabdenkmalen, die Häusern und Tempeln glichen. Sie werden ein Vermögen gekostet haben. Ich hoffe, dass sie Ausdruck der Wertschätzung der Verstorbenen sind und nicht nur Zeichen für Vermögen und Ansehen derjenigen, die das Grabmal errichtet haben.

„Ein Haus für die Familie bauen!“ – das war für die Vertriebenen immer ein großes Ziel. In verschiedenen Städten wurden Siedlungen für Vertriebene angelegt, die man bis heute noch sehen kann und die als solche bei den Bewohnern einer Stadt noch bekannt sind. Weil Haus und Hof verlassen werden mussten, war der Bau eines Hauses für die Vertriebenen wie der Gewinn einer neuen Heimat und zugleich ein Zeichen dafür, nicht mehr zurückkehren zu wollen, sondern hier neu anzufangen.

Jesus Christus beschreibt das Leben im Himmel im Bild der Wohnung und des Hauses. Er lädt uns ein, ins Haus seines Vaters einzuziehen und zu leben. Wir können uns das Gotteshaus wie einen solchen prachtvollen Totentempel vorstellen. Wir können aber auch sagen: Bei Gott sein ist wie Wohnen in einem schönen Haus, in dem eine gute Atmosphäre herrscht und die Menschen einander lieben und achten. Gerade der- und diejenige mit schlimmen Erfahrungen von Hauslosigkeit, Flucht und Obdachlosigkeit wird das Bild von der himmlischen Wohnung gern annehmen und sich darauf freuen. Geborgenheit bei Gott wird als eine österliche Botschaft angesehen, die hoffen lässt, auch wenn das Tor des Todes noch durchschritten werden muss.

Bei der Segnung einer Wohnung betet der Priester: „Lass uns nicht vergessen, dass unsere irdische Wohnung einst abgebrochen wird und dass wir berufen sind zur ewigen Gemeinschaft mit dir.“ Ostern feiern bedeutet: sich nach Geborgenheit bei Gott sehnen und in allem, was hier schon Geborgenheit geben kann, einen Vorgeschmack der himmlischen Herrlichkeit erkennen und sich daran freuen.

Frohe Ostern und die Erfahrung von Geborgenheit wünsche ich daher von Herzen.
+ Weihbischof Dompropst Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge

 

Osterpredigt 2019
von Präses Martin Karras

„Halleluja, Jesus lebt!“

So dürfen wir zu Ostern wieder rufen.
Aber was heißt das eigentlich, wenn wir nach den 6 ½ Wochen Fastenzeit wieder aus voller Brust und tiefster Überzeugung Halleluja singen können?
Dürfen wir es nur oder müssen wir es nicht eigentlich sogar?
Was bedeutet es: Jesus ist von den Toten auferstanden!?
Sicher, in den biblischen Texten von Ostern hören wir es.
Die Frauen kommen zum Grab und finden es leer und die Männer sagen: Jesus ist auferstanden!
Das ist leicht gesagt.
Genauso gut hätte ja das Realität sein können, was sicherlich die Pharisäer und die Schriftgelehrten vermutet haben. Da hat einer oder mehrere den Leichnam von Jesus gestohlen und tut nun so, als ob Jesu von den Toten auferstanden sei.
Für sie konnte ein Mensch nicht den Tod besiegen.
Aber sehen sie, schon da zeigt sich ein ganz entscheidender Denkfehler.
Als Christen glauben wir daran, das Jesus eben nicht nur Mensch ist, sondern, wie es im Glaubensbekenntnis heißt: wahrer Mensch und wahrer Gott.
Und dieser Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, ist für uns Menschen den Weg des Kreuzes gegangen und ist für uns am Kreuz gestorben.
Das ist das Menschliche.
Aber zugleich zeigt sich darin schon das, was göttlich ist.
Jesus ist diesen Weg nämlich freiwillig für uns gegangen und am Ende dieses Weges, bei der Kreuzigung, war eben nicht alles aus und vorbei.
Das göttliche an Jesus ist, das er wieder auferstanden ist.
Im weiteren Verlauf der Osterberichte werden wir das ja hören, wo Jesus anderen Menschen erscheint, wo deutlich wird, das es nicht so ist, das die Jünger einen Betrug initiiert hätten, indem sie den Leichnam Jesu verschwinden ließen.
Jesus ist wirklich auferstanden, er hat den Tod überwunden.
Das Leben hat in ihm und durch ihn gesiegt.
Erfahren wir das in unserem Leben nicht auch oft, dass wir tot sind und wieder leben?
Sicherlich nicht im medizinischen Sinne.
Aber wie oft sind unsere Beziehungen untereinander und zu Gott tot.
Und wie oft können wir sie mit der Hilfe Gottes wieder neu zum leben erwecken?

Präses Pfarrer Martin Karras
Pfarrer Martin Karras

Wie oft ist die Liebe zwischen Ehepartnern tot und aus der scheinbar langsam verlöschender Glut wird ein neues Feuer.
Das Feuer ist ein Zeichen des Lebens und zugleich Zeichen des Todes.
Feuer kann wärmen und Licht geben, zugleich aber auch für immer vernichten.
So ist das Feuer, das wir in der Osterliturgie entzünden, ein wichtiges Zeichen für dieses Leben.
Denn das Feuer der Liebe Gottes zu uns Menschen hat den Tod vernichtet und uns zu neuem Leben geführt.
Das Feuer, das unser Leben hell macht im Licht der Osterkerze.
„Halleluja, Jesus lebt. Er ist auferstanden von den Toten und hat uns neues Leben geschenkt!“
Das ist es, was wir an Ostern feiern.
Der Tod wird zum Leben und das Leben ist dann anders als vorher.
Ostern ist für uns Christen eigentlich das Fest schlechthin.
Ostern ist das Fest, an dem es eigentlich Geschenke geben müsste.
Das größte Geschenk macht uns Gott.
Ein Geschenk, das es in der Form bisher noch nicht gab.
Das neue Leben.
Ein Leben ohne den Tod.
Ein Leben ohne Vernichtung und vor allen Dingen: eine neue Zusage Gottes an uns Menschen.
„Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Dies hat Jesus seinen Jüngern nach der Auferstehung verheißen.
Und so auch uns.
Unser Leben ist nicht sinnlos, nur weil der menschliche Tod dazugehört.
Unser Leben bekommt einen Sinn, wenn wir es wollen.
Wenn wir es nämlich wollen, das uns Jesus das ewige Leben schenken kann, indem wir ihn annehmen.
Wenn wir bereit sind, darauf zu vertrauen, das Jesus, das Jesus für uns, für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist und damit gleichsam unser Konto bei Gott wieder ausgeglichen hat und wir neu anfangen dürfen.
Anfangen in der Gewissheit: Gott ist bei uns.
Er geht mit uns in besonderer Weise diesen neuen, noch nie dagewesenen Weg, einen Weg im Licht, des Vertrauens und der Hoffnung.
So wünsche ich uns allen, das wir immer wieder das Licht der Hoffnung und der Liebe Gottes erfahren dürfen und wir immer wieder spüren: Ostern ist nicht nur jetzt und hier, Ostern ist immer dann, wenn wir uns von Gott getragen wissen dürfen, immer dann, wenn Gott in unser Leben tritt.
Und dies sollte eigentlich zu jeder Zeit der Fall sein.
Bitten wir den Herrn, dass er uns diese Gnade schenke.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Osterfest.

Pfarrer Martin Karras, Präses

 

 

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