Logo

Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

Osterpredigt 2019

„Halleluja, Jesus lebt!“

So dürfen wir zu Ostern wieder rufen.
Aber was heißt das eigentlich, wenn wir nach den 6 ½ Wochen Fastenzeit wieder aus voller Brust und tiefster Überzeugung Halleluja singen können?
Dürfen wir es nur oder müssen wir es nicht eigentlich sogar?
Was bedeutet es: Jesus ist von den Toten auferstanden!?
Sicher, in den biblischen Texten von Ostern hören wir es.
Die Frauen kommen zum Grab und finden es leer und die Männer sagen: Jesus ist auferstanden!
Das ist leicht gesagt.
Genauso gut hätte ja das Realität sein können, was sicherlich die Pharisäer und die Schriftgelehrten vermutet haben. Da hat einer oder mehrere den Leichnam von Jesus gestohlen und tut nun so, als ob Jesu von den Toten auferstanden sei.
Für sie konnte ein Mensch nicht den Tod besiegen.
Aber sehen sie, schon da zeigt sich ein ganz entscheidender Denkfehler.
Als Christen glauben wir daran, das Jesus eben nicht nur Mensch ist, sondern, wie es im Glaubensbekenntnis heißt: wahrer Mensch und wahrer Gott.
Und dieser Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, ist für uns Menschen den Weg des Kreuzes gegangen und ist für uns am Kreuz gestorben.
Das ist das Menschliche.
Aber zugleich zeigt sich darin schon das, was göttlich ist.
Jesus ist diesen Weg nämlich freiwillig für uns gegangen und am Ende dieses Weges, bei der Kreuzigung, war eben nicht alles aus und vorbei.
Das göttliche an Jesus ist, das er wieder auferstanden ist.
Im weiteren Verlauf der Osterberichte werden wir das ja hören, wo Jesus anderen Menschen erscheint, wo deutlich wird, das es nicht so ist, das die Jünger einen Betrug initiiert hätten, indem sie den Leichnam Jesu verschwinden ließen.
Jesus ist wirklich auferstanden, er hat den Tod überwunden.
Das Leben hat in ihm und durch ihn gesiegt.
Erfahren wir das in unserem Leben nicht auch oft, dass wir tot sind und wieder leben?
Sicherlich nicht im medizinischen Sinne.
Aber wie oft sind unsere Beziehungen untereinander und zu Gott tot.
Und wie oft können wir sie mit der Hilfe Gottes wieder neu zum leben erwecken?
Wie oft ist die Liebe zwischen Ehepartnern tot und aus der scheinbar langsam verlöschender Glut wird ein neues Feuer.
Das Feuer ist ein Zeichen des Lebens und zugleich Zeichen des Todes.
Feuer kann wärmen und Licht geben, zugleich aber auch für immer vernichten.
So ist das Feuer, das wir in der Osterliturgie entzünden, ein wichtiges Zeichen für dieses Leben.
Denn das Feuer der Liebe Gottes zu uns Menschen hat den Tod vernichtet und uns zu neuem Leben geführt.
Das Feuer, das unser Leben hell macht im Licht der Osterkerze.
„Halleluja, Jesus lebt. Er ist auferstanden von den Toten und hat uns neues Leben geschenkt!“
Das ist es, was wir an Ostern feiern.
Der Tod wird zum Leben und das Leben ist dann anders als vorher.
Ostern ist für uns Christen eigentlich das Fest schlechthin.
Ostern ist das Fest, an dem es eigentlich Geschenke geben müsste.
Das größte Geschenk macht uns Gott.
Ein Geschenk, das es in der Form bisher noch nicht gab.
Das neue Leben.
Ein Leben ohne den Tod.
Ein Leben ohne Vernichtung und vor allen Dingen: eine neue Zusage Gottes an uns Menschen.
„Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Dies hat Jesus seinen Jüngern nach der Auferstehung verheißen.
Und so auch uns.
Unser Leben ist nicht sinnlos, nur weil der menschliche Tod dazugehört.
Unser Leben bekommt einen Sinn, wenn wir es wollen.
Wenn wir es nämlich wollen, das uns Jesus das ewige Leben schenken kann, indem wir ihn annehmen.
Wenn wir bereit sind, darauf zu vertrauen, das Jesus, das Jesus für uns, für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist und damit gleichsam unser Konto bei Gott wieder ausgeglichen hat und wir neu anfangen dürfen.
Anfangen in der Gewissheit: Gott ist bei uns.
Er geht mit uns in besonderer Weise diesen neuen, noch nie dagewesenen Weg, einen Weg im Licht, des Vertrauens und der Hoffnung.
So wünsche ich uns allen, das wir immer wieder das Licht der Hoffnung und der Liebe Gottes erfahren dürfen und wir immer wieder spüren: Ostern ist nicht nur jetzt und hier, Ostern ist immer dann, wenn wir uns von Gott getragen wissen dürfen, immer dann, wenn Gott in unser Leben tritt.
Und dies sollte eigentlich zu jeder Zeit der Fall sein.
Bitten wir den Herrn, dass er uns diese Gnade schenke.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Osterfest.

Pfarrer Martin Karras, Präses

 

Präses Pfarrer Martin Karras
Pfarrer Martin Karras

 

zurück